Heian-Kata
Heian ist eine Gruppe
von fünf Karate-Kata die,
die wichtigsten Bewegungsprinzipien und die fundamentale Technik
des Shorin-ryu ( im Shorin-ryu werden sie Pinan genannt,
Heian ist eine Bezeichnung, die man im Shotokan-ryu gebraucht ) schulen.
Sie wurden 1905 von Meister Itosu aus Shuri gegründet
und 1907 in den Grundschulen Okinawas eingeführt.
Die Heian-Kata sind identisch mit den in anderen Ryu geübten Pinan-Kata.
Im Shotokan-ryu wurden sie von Meister Funakoshi in "Heian" umbenannt.
Heian ist eine Epoche in der Geschichte Japans und setzt sich aus den Anfangssilben
der beiden Bezeichnungen Heiwa und Antei zusammen, was in der übersetzung
"Frieden" und "Ruhe" bedeutet. Damit wird im übertragenen Sinn auf ihren
psychologischen Inhalt verwiesen, da der übende in diesem Stadium besonders
die Fähigkeit zur Demut und Achtung entwickeln soll.
Heian-shodan.
Im Shotokan-ryu ist die Heian-shodan die erste Kata der Heian-Gruppe.
Sie schult die Abwehrtechniken Gedan-barai, Jodan age-uke und
Shuto-uke. Chudan oi-tsuki und Tettsui-uchi werden als Angriffstechniken
verwendet. Alle Techniken werden in den Stellungen Zenkutsu-dachi
und Kokutsu-dachi ausgeführt.
In der Heian-shodan werden vor allem die Beinbewegungen und
Richtungsänderungen, die Haltung des oberen Körpers und die
Spannungsverhältnisse geübt.
Die Kata enthält 21 Bewegungen und soll in einer Zeit von ungefähr
40 Sekunden ausgeführt werden.
Heian-nidan.
Die Heian-nidan ist im Shotokan-ryu die zweite Kata der Heian-Gruppe.
Ursprünglich hat man mit ihr begonnen, was in einigen Karate-ryu auch
noch heute der Fall ist. Das Embusen ist gleich mit dem der Heian-shodan.
Die Kata umfaßt jedoch einen größeren technischen Bereich.
Neu in ihr sind zwei Fußtechniken, Yoko geri-keage und
Mae geri-keage. Das Wesen der Kata ist das Gyaku-Prinzip.
Im Gegensatz zur Heian-shodan, die den geradlinigen Einsatz der
Hüfte lehrt, schult die Heian-nidan den Einsatz der gegenseitigen Hüfte.
In der Anwendung übt sie die mittlere Distanz.
Die Heian-nidan besteht aus 27 Bewegungen und soll in einer Zeit von
etwa 40 Sekunden ausgeführt werden.
Heian-sandan.
Die Heian-sandan ist die dritte Kata der Heian-Gruppe.
Ihre Bewegungen sind die Basis für die späteren Kata Tekki, Jion,
Ji'in und Jitte. Die Kata enthält viele Techniken für den Nahkampf
und schult vor allem die Stellung Kiba-dachi. In dieser werden mehrere
Formen der Bewegung verwendet:
das Vorgehen im großen Schritt, die Rückwärtsdrehung und das
gleichzeitige Gleiten beider Füße.
Die Heian-sandan besteht aus 20 Bewegungen und soll in einer Zeit von
40 Sekunden ausgefüührt werden.
Heian-yondan.
Die Heian-yondan ist die vierte Kata der Heian-Gruppe.
Ihr Ablauf ist durch eine große Dynamik gekennzeichnet, durch das Studium
der doppelten Abwehrformen und den Gebrauch von Fußtechniken.
Wahrscheinlich wurde sie aus der Kanku entwickelt.
Sie besteht aus 27 Bewegungen, die in der zeit von ungefähr 50 Sekunden
ausgeführt werden sollen.
Heian-godan.
Die Heian-godan ist die fünfte und letzte Kata der Heian-Gruppe.
In ihr vereinigen sich mehrere Grundprinzipien des Karate:
Mizu nagare-gamae stellt ein bedeutendes Prinzip der Abwehrtechniken dar,
wechselnde Abwehrformen zwischen Gedan, Jodan und Chudan, Ergreifen des
gegnerischen Arms und Kontern, Kontertechnik mit Blickwechsel, Vermeiden
eines Angriffs durch einen Sprung, Abwehren und Kontern ( Tai-sabaki ) mit
Nagashi-Techniken, die klassische Kamaekata Manji-gamae usw.
Durch die Vielfalt der Techniken lehrt diese Kata bereits einen Umfangreichen
Kampfstil. Gleichzeitig stellt ihre Ausführung jedoch hohe Ansprüche
an Rhythmus und Timing. Die Kata kombiniert abwechselnd schnell
aufeinanderfolgende Bewegungen mit schnell ausgeführten Techniken.
Sie besteht aus 25 Bewegungen und soll in einer Zeit von ungefähr
50 Sekunden ausgeführt werden.
Das Lexikon von Werner Lind/ Ostasiatische Kampfkünste.